Bei einem Vor-Ort-Termin habe ich mir bei einem Rundgang durch die Weinberge ein Bild von der Arbeit im Weingut Kusterer gemacht und über die aktuelle Lage im Weinbau gesprochen. Im Mittelpunkt stand für mich die Frage, wie es um die Steillagen am Neckar steht, deren Bewirtschaftung nach wie vor sehr aufwändig ist: von Hand gelesen, mühsam gepflegt, mit hohem Arbeitsaufwand bei vergleichsweise geringem Ertrag. Für Esslingen sind diese Steillagen stadtbildprägend, sie gehören zum Gesicht unserer Stadt – aber sie gehen einer ungewissen Zukunft entgegengehen.
Denn der Weinmarkt insgesamt entwickelt sich schwierig. Der Konsum geht zurück, es wird schlicht weniger getrunken, und selbst im Topsegment, zu dem viele Steillagenweine zählen, spüren die Betriebe den Wandel im Kaufverhalten deutlich. Hinzu kommt der Klimawandel, der sich in den Steillagen besonders schnell bemerkbar macht. Die Böden speichern weniger Wasser, Hitzeperioden treffen die Reben ungeschützt, und in trockenen Sommern verkümmern und vertrocknen Trauben zusehends.
Trotz dieser Herausforderungen war ich beeindruckt von der Innovationskraft des Weinguts Kusterer, das mit neuen Anbaumethoden, pfleglichem Umgang mit den Steillagen und einem klaren Qualitätsanspruch auf die veränderten Bedingungen reagiert. Auch wenn die Lage am Markt schwierig bleibt, zeigt das Weingut durch Innovation und Qualität, dass gute Perspektiven für die Zukunft möglich sind. Wer unsere Kulturlandschaft und die Steillagenweine erhalten will, muss solche Betriebe unterstützen und ihnen verlässliche Rahmenbedingungen bieten.