“Gesunder Wald schützt das Klima” – Waldspaziergang mit Johannes Enssle, Vorsitzender des NABU BW in Köngen

Am Dienstag, 17. August 2021, waren Johannes Enssle, Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg und Dr. Sebastian Schäfer, Bundestagskandidat von Bündnis 90 / Die Grünen für den Wahlkreis Esslingen auf Einladung der Grünen Wendlingen / Köngen gemeinsam mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern im Köngener Wald unterwegs. Anne Rahm, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Köngener Gemeinderat betonte in ihrer Begrüßung die Klimaschutzfunktion des Waldes: Insgesamt speichern die deutschen Wälder etwa 127 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr. In Deutschlands Wäldern gibt es fast 200 Baum- und Straucharten. Sebastian Schäfer wies in seiner politischen Einführung auf die vielfältige Nutzung des Waldes als Erholungsgebiet für Jung und Alt, Wirtschaftswald mit der nachwachsenden Ressource Holz und die wichtige Funktion für Klima-, Natur- und Artenschutz hin. Bereits jetzt setze die Klimakrise den Wald enorm unter Druck: Trockenheit, Stürme, Hochwasser und Schädlinge sorgten für schwere Waldschäden. Nur noch ein Fünftel der Bäume in Deutschlands Wäldern sei noch gesund: “Wir müssen unsere Wälder umbauen. So können wir eine Risikostreuung und eine höhere Ökosystemstabilität erzielen. Dabei hilft eine größere strukturelle Naturnähe und mehr Vielfalt an vorrangig heimischen Baumarten. Der Grundsatz „öffentliches Geld für Gemeinwohlnutzen“ muss auch bei der Förderung für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer greifen. Förderprogramme müssen entsprechend umgestrickt werden und auf der Basis konkret erbrachter Leistungen und gezielter Maßnahmen zur Stärkung von Waldökosystemen in Bezug auf Klimaresilienz, Naturnähe und Biodiversität gestaltet werden.”

Johannes Enssle zeigte im Wald sehr anschaulich, wie sich die trockenen Sommer der letzten Jahre auf den Wald in Köngen ausgewirkt haben. Für ihn liegt ein Schlüssel für gesündere Wälder auch in einer stärkeren Bejagung insbesondere des Rehwilds. Enssle wies darauf hin, dass die energetische Nutzung des Holzes zum Heizen kein effizienter Umgang mit dem wertvollen Rohstoff Holz sei: “Die Holzverbrennung setzt in kurzer Zeit frei, was in vielen Jahrzehnten an Kohlenstoffdioxid im Wald gespeichert wurde. Holz kann auch beim Ersatz von fossilen Chemiegrundstoffen und im klimafreundlichen Bau eine große Rolle spielen. Mit Forschung und Entwicklung, wie sie das Land z. B. beim Technikum Laubholz unterstützt, können hier große Fortschritte erzielt werden.” Am Ende des Spaziergangs zeigte Enssle in einem Alt- und Totholzbereich des Waldes auf, wie viel Leben im “toten Holz” steckt: “In einer Handvoll des Humus, der durch Totholz entsteht, stecken mehr Lebewesen als auf der Erde Menschen leben. Gleichzeitig entstehen hier auch Lebensräume für Vögel, Fledermäuse, Käfer, Pilze und eine Vielzahl anderer Tiere. Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion, wenn es um die Bewirtschaftung unserer Wälder geht. Dazu gehört auch, mindestens fünf Prozent der Waldfläche aus der Holznutzung zu nehmen und in einen Biotopverbund einzubinden.” 

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